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Hörsturz und Tinnitus: Zusammenhang, Unterschiede und Warnzeichen

Ein Ohr fühlt sich plötzlich anders an.

Du hörst dumpfer oder deutlich schlechter.

Vielleicht entsteht ein Druckgefühl.

Gleichzeitig beginnt ein Pfeifen, Rauschen oder Piepen.

In dieser Situation ist eine Unterscheidung besonders wichtig:

Tinnitus und Hörsturz sind nicht dasselbe.

Tinnitus beschreibt ein wahrgenommenes Ohrgeräusch ohne entsprechende äußere Schallquelle. Ein Hörsturz beziehungsweise plötzlicher sensorineuraler Hörverlust bedeutet dagegen, dass sich das Hörvermögen innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtert.

Beides kann gemeinsam auftreten.

Und genau dann sollte nicht abgewartet werden.

Ein plötzlich entstandener Hörverlust gilt als medizinisch dringlich. Das NIDCD bezeichnet plötzlichen sensorineuralen Hörverlust als medizinischen Notfall. NICE empfiehlt bei Tinnitus zusammen mit einem Hörverlust, der sich innerhalb von höchstens drei Tagen entwickelt hat und innerhalb der vergangenen 30 Tage begonnen hat, eine medizinische Beurteilung innerhalb von 24 Stunden.

Wer plötzlich deutlich schlechter hört und gleichzeitig Tinnitus bemerkt, sollte deshalb rasch ärztliche beziehungsweise HNO-ärztliche Hilfe suchen und nicht erst mehrere Tage Selbsthilfemaßnahmen ausprobieren.

Was ist ein Hörsturz?

Als Hörsturz wird umgangssprachlich meist ein plötzlich auftretender sensorineuraler Hörverlust bezeichnet.

Betroffene bemerken, dass sie auf einem Ohr innerhalb kurzer Zeit deutlich schlechter hören.

Manchmal fällt das unmittelbar auf.

In anderen Fällen wird der Unterschied erst bemerkt, wenn das Telefon an das betroffene Ohr gehalten wird oder Geräusche plötzlich dumpfer wirken.

Das NIDCD beschreibt einen plötzlichen sensorineuralen Hörverlust als unerklärten schnellen Verlust des Hörvermögens, der entweder schlagartig oder innerhalb weniger Tage auftreten kann. Häufig ist nur ein Ohr betroffen.

Begleitend können unter anderem auftreten:

ein Gefühl von Druck oder Fülle im Ohr,

Schwindel,

und Tinnitus.

Nicht jeder Hörverlust ist automatisch ein klassischer Hörsturz.

Auch Ohrenschmalz, Flüssigkeit im Mittelohr und andere Ursachen können dazu führen, dass jemand plötzlich schlechter hört.

Genau deshalb ist die Untersuchung wichtig.

Warum können Hörsturz und Tinnitus gemeinsam auftreten?

Hören und Tinnitus hängen eng mit der Verarbeitung von Signalen im Hörsystem zusammen.

Wenn sich das Hörvermögen plötzlich verändert, kann gleichzeitig ein Ohrgeräusch entstehen.

Das bedeutet nicht, dass der Tinnitus den Hörsturz verursacht.

Ebenso verursacht der Tinnitus nicht automatisch den Hörverlust.

Beide Symptome können vielmehr Ausdruck derselben akuten Veränderung des Hörsystems sein.

Das NIDCD nennt Tinnitus ausdrücklich als häufiges Begleitsymptom eines plötzlichen sensorineuralen Hörverlusts.

Deshalb sollte bei plötzlich neu auftretendem Tinnitus immer auch auf das Hörvermögen geachtet werden.

Hörst du auf beiden Seiten gleich?

Wirken Sprache oder Umgebungsgeräusche plötzlich dumpfer?

Fühlt sich ein Ohr deutlich anders an?

Ein Tinnitus allein und ein Tinnitus gemeinsam mit akutem Hörverlust sind medizinisch unterschiedlich zu bewerten.

Wie unterscheiden sich Hörsturz und Tinnitus?

Der einfachste Unterschied lautet:

Tinnitus betrifft die Wahrnehmung eines zusätzlichen Geräuschs.

Ein Hörsturz betrifft das Hörvermögen.

Bei Tinnitus hörst du beispielsweise ein Pfeifen, Rauschen, Summen oder Piepen, obwohl dafür keine entsprechende äußere Geräuschquelle vorhanden ist.

Bei einem Hörsturz beziehungsweise plötzlichen sensorineuralen Hörverlust werden reale äußere Geräusche auf dem betroffenen Ohr schlechter wahrgenommen.

Beide Phänomene können gleichzeitig auftreten.

Ein Mensch kann aber auch Tinnitus haben, ohne einen Hörsturz zu erleben.

Ebenso kann ein plötzlicher Hörverlust mit weiteren Symptomen auftreten.

Deshalb sollte die Frage nicht lauten:

„Ist dieses Pfeifen ein Hörsturz?“

Sondern:

„Hat sich zusätzlich zu meinem Ohrgeräusch plötzlich mein Hörvermögen verändert?“

Wann ist schnelle medizinische Abklärung notwendig?

Der entscheidende Warnhinweis ist eine plötzlich entstandene Hörverschlechterung.

Wenn du auf einem Ohr plötzlich deutlich schlechter hörst und gleichzeitig ein Ohrgeräusch bemerkst, solltest du das rasch medizinisch untersuchen lassen.

Nicht erst nach dem Wochenende.

Nicht nachdem verschiedene Übungen ausprobiert wurden.

Und nicht erst, wenn der Tinnitus nach mehreren Tagen immer noch vorhanden ist.

NICE empfiehlt bei Tinnitus in Verbindung mit plötzlich innerhalb von drei Tagen entstandenem Hörverlust eine Beurteilung innerhalb von 24 Stunden, sofern der Hörverlust in den vergangenen 30 Tagen begonnen hat.

Auch plötzlich auftretende neurologische Symptome wie eine Gesichtsschwäche oder akut nicht kontrollierbare starke Gleichgewichtsbeschwerden erfordern eine sofortige medizinische Beurteilung.

Der Grund für diese Dringlichkeit:

Bei plötzlichem sensorineuralem Hörverlust kann der Zeitpunkt der Behandlung eine Rolle spielen.

Warum du einen Hörsturz nicht selbst diagnostizieren solltest

Ein plötzlich dumpfes Ohr bedeutet nicht automatisch Hörsturz.

Ein verschlossener Gehörgang kann ebenfalls das Hörvermögen verändern.

Probleme im Mittelohr können eine Rolle spielen.

Auch andere Ursachen kommen infrage.

Umgekehrt sollte eine echte plötzliche Innenohrschwerhörigkeit nicht irrtümlich für eine harmlose Blockade gehalten werden.

Das NIDCD weist darauf hin, dass Betroffene einen plötzlichen Hörverlust teilweise zunächst für Ohrenschmalz, Allergien oder eine Nebenhöhlenproblematik halten und deshalb die medizinische Untersuchung verzögern.

Die Unterscheidung erfolgt durch Untersuchung und Hördiagnostik.

Deshalb ist Selbstdiagnose in dieser Situation der falsche Ansatz.

Wie wird ein Hörsturz untersucht?

Zunächst muss geklärt werden, ob tatsächlich ein sensorineuraler Hörverlust vorliegt.

Dazu wird unter anderem überprüft, ob möglicherweise eine andere Ursache die Schallleitung behindert.

Ein Hörtest kann zeigen, welche Frequenzbereiche betroffen sind und wie stark das Hörvermögen verändert ist.

Das NIDCD beschreibt die Reintonaudiometrie als zentrale Untersuchung bei Verdacht auf plötzlichen sensorineuralen Hörverlust. Abhängig von Befund und Situation können anschließend weitere Untersuchungen notwendig werden.

Parallel sollte das Ohrgeräusch beschrieben werden.

Wann hat es begonnen?

Ist es nur auf der betroffenen Seite zu hören?

Ist es konstant?

Besteht gleichzeitig Schwindel?

Solche Informationen helfen bei der medizinischen Einordnung.

Wie wird ein Hörsturz behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Art und Ursache des Hörverlusts.

Bei einem plötzlichen sensorineuralen Hörverlust ohne erkennbare Ursache gehören Kortikosteroide zu den häufig eingesetzten Therapieoptionen.

Sie können systemisch oder in bestimmten Situationen direkt über das Trommelfell in das Mittelohr gegeben werden.

Das NIDCD betont, dass eine frühe Behandlung die Erfolgsaussichten verbessern kann und eine deutlich verspätete Behandlung weniger wirksam sein kann.

Welche Behandlung im konkreten Fall geeignet ist, muss ärztlich entschieden werden.

Ein entscheidender Punkt wird dabei häufig missverstanden:

Eine Kortisonbehandlung bei Hörsturz ist keine allgemeine Therapie gegen jeden Tinnitus.

Sie richtet sich gegen die akute Hörstörung.

Ein chronischer Tinnitus ohne akuten Hörverlust ist eine andere Situation.

Kann ein Hörsturz von selbst besser werden?

Bei einem Teil der Betroffenen kann sich das Hörvermögen spontan teilweise oder vollständig erholen.

Das NIDCD berichtet, dass etwa die Hälfte der Menschen mit plötzlichem sensorineuralem Hörverlust zumindest einen Teil des Hörvermögens spontan zurückgewinnt, häufig innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen.

Diese Möglichkeit ist allerdings kein Grund zum Abwarten.

Denn vorher lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen, bei wem eine spontane Erholung eintreten wird.

Zudem kann eine Verzögerung der Diagnostik und einer gegebenenfalls notwendigen Behandlung die Chancen auf Erholung reduzieren.

„Vielleicht verschwindet es von selbst“ ist deshalb bei plötzlich entstandenem Hörverlust keine sinnvolle Strategie.

Kann Tinnitus nach einem Hörsturz bleiben?

Ja.

Das Hörvermögen und der Tinnitus müssen sich nicht identisch entwickeln.

Das Hören kann sich verbessern, während ein Ohrgeräusch zunächst weiterbesteht.

Bei anderen Menschen reduziert sich gleichzeitig auch der Tinnitus.

Und bei manchen bleibt ein Tinnitus länger bestehen.

Aus dem Verlauf des Hörverlusts lässt sich deshalb nicht sicher ableiten, was mit dem Ohrgeräusch passieren wird.

Gerade in der frühen Phase ist deshalb wichtig, nicht jede Schwankung des Tinnitus sofort als Zeichen einer dauerhaften Entwicklung zu interpretieren.

Zunächst steht die medizinische Behandlung beziehungsweise Beobachtung des Hörverlusts im Vordergrund.

Was bedeutet Tinnitus nach Hörsturz?

Wenn nach der akuten Phase ein Ohrgeräusch bestehen bleibt, verschiebt sich die Fragestellung.

Zunächst ging es um:

„Was passiert mit meinem Hörvermögen?“

Später lautet die Frage möglicherweise:

„Was mache ich, wenn das Pfeifen nicht verschwindet?“

Dann sollte erneut geprüft werden, wie sich das Hörvermögen entwickelt hat.

Besteht weiterhin eine relevante Hörminderung?

Beeinträchtigt der Tinnitus Schlaf, Konzentration oder psychisches Wohlbefinden?

Wie stark wird das Ohrgeräusch im Alltag wahrgenommen?

Auf dieser Grundlage kann entschieden werden, welche weiteren Maßnahmen sinnvoll sind.

Erst nach dieser medizinischen Einordnung wird die allgemeine Tinnitus-Behandlung relevant.

Einen breiteren Überblick findest du in unserem Artikel über Möglichkeiten beim länger anhaltenden Tinnitus.

Hörverlust nach Hörsturz und Hörgeräte

Bleibt nach einem Hörsturz eine relevante Hörminderung zurück, kann eine Hörgeräteversorgung infrage kommen.

Das behandelt in erster Linie den Hörverlust.

Gleichzeitig kann eine verbesserte Wahrnehmung externer Geräusche dazu beitragen, dass der Tinnitus subjektiv weniger dominant erscheint.

NICE empfiehlt Verstärkungssysteme für Menschen mit Tinnitus und einem Hörverlust, der die Kommunikation beeinträchtigt.

Welche Versorgung geeignet ist, hängt vom individuellen Hörbefund ab.

Wenn die Angst nach dem Hörsturz bleibt

Ein Hörsturz kann psychisch belastend sein.

Gerade wenn er plötzlich und ohne klare Erklärung auftritt, kann ein Gefühl von Kontrollverlust entstehen.

Viele Betroffene beginnen anschließend, sehr genau auf ihr Gehör zu achten.

Ist das Ohr heute wieder dumpfer?

Ist der Tinnitus lauter?

Kommt der Hörsturz zurück?

Höre ich diesen Ton schon länger?

Diese Wachsamkeit ist nach einem solchen Ereignis nachvollziehbar.

Sie kann allerdings selbst zu einer Belastung werden.

Wenn jedes Ohrgefühl kontrolliert und jede Schwankung des Tinnitus als mögliches Warnsignal interpretiert wird, bekommt das Geräusch immer mehr Aufmerksamkeit.

Nach Abschluss der akuten medizinischen Behandlung kann es deshalb sinnvoll sein, zwischen tatsächlichen medizinischen Warnzeichen und der langfristigen Beschäftigung mit einem bereits bekannten Tinnitus zu unterscheiden.

Was tun bei dauerhaftem Tinnitus nach einem Hörsturz?

Bleibt der Tinnitus länger bestehen, gelten grundsätzlich ähnliche Behandlungsprinzipien wie bei anderem chronischem Tinnitus.

Zunächst sollte der aktuelle Hörstatus bekannt sein.

Ein bestehender Hörverlust sollte angemessen berücksichtigt werden.

Ist der Tinnitus stark belastend, können tinnitusbezogene psychologische Verfahren sinnvoll sein.

NICE empfiehlt bei anhaltender Beeinträchtigung des emotionalen und sozialen Wohlbefindens beziehungsweise des Alltags einen abgestuften Ansatz mit psychologischen Interventionen, darunter tinnitusbezogene kognitive Verhaltenstherapie.

Dabei geht es nicht darum, den vorausgegangenen Hörsturz zu ignorieren.

Es geht darum, nach der medizinischen Akutphase auch die langfristigen Auswirkungen des Tinnitus zu behandeln.

Hörsturz und Tinnitus richtig einordnen

Die wichtigste Botschaft lautet:

Ein plötzlich auftretender Hörverlust ist etwas anderes als ein Tinnitus allein.

Treten beide gemeinsam auf, besitzt die Hörverschlechterung zunächst medizinische Priorität.

Schnelle Diagnostik ist wichtiger als Selbsthilfe.

Erst wenn die akute Situation abgeklärt und behandelt wurde, sollte der Fokus auf einen möglicherweise länger bestehenden Tinnitus wechseln.

Wenn dein Hörsturz bereits medizinisch behandelt beziehungsweise abgeklärt wurde und das Ohrgeräusch trotzdem dauerhaft geblieben ist, kann ein strukturierter Umgang mit der Tinnitus-Belastung sinnvoll sein.

Unser Onlinekurs FREI von TINNITUS richtet sich an Menschen mit länger bestehendem Tinnitus. Er ersetzt ausdrücklich keine Akutdiagnostik bei plötzlich entstandenem Hörverlust.

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